DIY Projekt E-Gitarre

DIY Projekt E-Gitarre

Vor kurzem habe ich mir beim Musikhaus Kirstein für knapp 100€ einen Bausatz für eine Single Cut E-Gitarre von Rocktile bestellt. Die Bastelei und das Löten hat auf jeden Fall Spaß gemacht und das Ergebnis ist nicht nur einigermaßen ansehnlich sondern lässt sich auch einigermaßen spielen.

Vorarbeiten

Im Prinzip könnte man die Gitarre auspacken und sofort zusammenschrauben. Man muss kein einziges Loch bohren und braucht im Prinzip blos verschiedene Schraubenzieher und einen Lötkolben. Das Holz ist aber komplett unbehandelt und das Ergebnis sähe dann nicht so schön aus.

Kopfplatte bearbeiten

Die Kopfplatte wird eckig geliefert, so dass man sie selber in die eigene Wunsch-Form bringen kann. Ich habe dazu die ungefähre Form mit einem Bleistift auf das Holz aufgemalt und mit der Stichsäge ausgeschnitten. Anschließend habe ich die grobe Schnittfläche mit einem Dreieckschleifer in Form gebracht.

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Holz behandeln

Ich habe mich dafür entschieden, das Holz nicht zu lackieren sondern mit Hartöl zu behandeln. Die Gründe waren für mich die folgenden:

  • Ich wollte gerne eine natürliche Holz-Optik und keine Farbe.
  • Hartöl ist sehr einfach in der Handhabung.
  • Es ist nicht notwendig, Teile der Gitarre vor der Behandlung abzukleben.
  • Wenn man später einmal etwas ausbessern möchte, ist das mit dem Nachbehandeln sehr einfach mit dem Öl.
  • Auf einem geölten Hals gleitet die Hand leichter als auf einem lackierten.
Korpus unbehandelt

Damit das Öl auf dem Balkontisch keine Flecken macht, habe ich großzügig Zeitung untergelegt – das war allerdings ein Fehler!

Ich habe das farblose Hartöl von Clou verwendet, weil ich das beim Baumarkt bei mir in der Nähe kaufen konnte. Je nachdem wie viele Behandlungen mit dem Öl man einplant, sollte man sich entsprechend abgestuftes Schleifpapier besorgen. Zum Auftragen und abwischen vom Öl habe ich Küchenpapier verwendet, weil es nicht fusselt. Außerdem ist es sinnvoll, sich dabei Handschuhe anzuziehen, weil das Öl an der Hand hinterher noch eine Weile klebt.

Man fängt damit an, die Gitarre mit dem grobsten Papier (z.B. 180er) anzuschleifen. Dann trägt man das Öl auf, lässt es für 15 bis 20 Minuten einziehen, wischt anschließend alles was nicht eingezogen ist wieder runter und lässt das ganze mindestens einen Tag ruhen. Das erste Öl auf der Gitarre löst einen richtigen „Wow-Effekt“ aus, wenn die Maserung vom Holz zu Tage tritt.
Vor jedem weiteren Ölen schleift man mit immer feinerer Körnung bis zu 600er oder sogar 1000er Papier. Nach jedem Durchgang glänzt die Oberfläche dann ein bisschen mehr. Insgesamt sollte man mindestens drei Durchgänge machen. Wer sich die Zeit nehmen mag, kann auch fünf Durchgänge machen.
Wie schon in der Bildunterschrift oben zu lesen war ist eine Zeitung als Unterlage sehr schlecht geeignet. Die Farbe löst sich nämlich ganz prima in dem Öl auf und zieht tief in das Holz ein. Leider sieht man das an meiner Gitarre jetzt immer noch an einer Stelle.

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Korpus nach dem ersten Ölen Damit das Holz nirgendwo aufliegt, habe ich einen Kabelbinder durch die Bohrung für den Klinkenstecker gelegt.

Zusammenbau

Die beiliegende Anleitung in Verbindung mit dem online verfügbaren Schaltbild war für mich zwar ausreichend um alles richtig zu verdrahten, aber etwas ausführlicher hätte das ganze ruhig sein dürfen. Ich schildere deshalb jetzt mal, wie ich vorgegangen bin.

Erster Schritt: Hals anschrauben

Das ist im Prinzip selbsterklärend. Hals an den Korpus stecken und von hinten eine Plastik- und eine Metallplatte auflegen und die vier Schrauben reindrehen.

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Zweiter Schritt: Potis und Schalter einbauen

Hier wird es auf jeden Fall deutlich fummliger. E sind insgesamt vier Potentiometer unterzubringen. In meinem Set waren die meisten Kabel und die Kondensatoren schon angelötet, was die Sache sehr vereinfacht.

Wenn man das „Knäuel“ mit den Potis in die Hand nimmt, fällt erst mal ein langes Stück aus drei Kabeln in Schwarz, Rot und Blau auf, bei denen am Ende die Abschirmlitzen zusammen gelötet sind. Das Schwarze und das Blaue sind jeweils an einem A500K Poti angelötet. Das sind die beiden Potis für die Lautstärke. Von jedem dieser Potis geht jeweils ein schwarzes Kabel zu einem B500K Poti, an dem außerdem noch jeweils ein Kondensator hängt. Dies sind die beiden Potis für den Klang.

Als erstes steckt man die zwei Potis mit Kondensator in die richtigen Löcher. Wenn man die Gitarre vor sich hinlegt, sind das das rechte und das untere Loch (siehe auch das Foto weiter unten). Hier ist es jetzt erst mal egal, welchen man in welches Loch steckt. Von der Vorderseite kann man diese beiden Potis schon festschrauben, dann fällt nichts mehr raus. Die beiden Potis für die Lautstärke schraubt man noch nicht fest, denn da muss noch dran gelötet werden und das ist einfacher, wenn man sie noch rausholen kann.

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Der lange Kabelstrang wird nun quer durch die Gitarre durch die Bohrungen bis zum Loch für den Schalter gelegt. Jetzt ist der Zeitpunkt, an dem man den Lötkolben einschaltet. Bevor man aber direkt loslötet muss man noch mal nach den Farben gucken. Es soll ja am Ende so sein, dass die oberen beiden Potis für den Humbucker am Hals und die unteren beiden für den an der Bridge sind. Außerdem soll der Schalter in der oberen Stellung den Hals und in der unteren Stellung die Bridge ansteuern.
Jetzt muss man also erst nach den Potis gucken. Welcher A-Poti hängt an dem B-Poti der ganz rechts verbaut ist und ist das Kabel, das von dort zum Schalter geht schwarz oder blau. Dieses Kabel lötet man an dem Schalter an den oberen von den drei Kontakten. Das andere dementsprechend an den unteren Kontakt, das rote an den mittleren Kontakt und die bereits zusammengelötete Litze an die Masse (der Kontakt an der Seite oder einfach an das Gehäuse vom Schalter).
Wenn man das alles gelötet hat, kann man den Schalter schon festschrauben.

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Dritter Schritt: Humbucker und Buchse einbauen

Der Humbucker mit dem flacheren Plastikteil gehört an den Hals. Diesen nimmt man auch als erstes, führt das Kabel durch den Kanal zu den Potis und schraubt den Rahmen schon mal locker mit zwei Schrauben an. (Sonst fällt er runter beim Wenden und das Kabel rutscht auch wieder raus).

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Das Kabel kann man jetzt direkt an den richtigen Poti anlöten. Das ist der Poti, der oben links sitzt (von hinten gesehen) und der an dem Poti, der rechts schon festgeschraubt ist, hängt. Das innere Kabel gehört an den einen noch freien Kontakt am Poti und die Abschirmung an die Masse oder das Gehäuse.

Mit dem Bridge-Humbucker verfährt man anschließend genau so und lötet das Kabel am unteren Poti an.

Jetzt ist nur noch das rote Kabel an den Anschluss für den Klinkenstecker zu löten. Hier muss man sich die Buchse einmal genau ansehen, damit später das Signal auf der Spitze vom Klinkenstecker ankommt.

Wenn man diesen Schritt erledigt hat, sollte man einmal kurz einen Verstärker anschließen und prüfen, ob sich die Elektrik auch so verhält wie gewünscht. Hierzu kann man zum Beispiel mit einem Gegenstand aus Eisen (Schraubenzieher) vorsichtig an die Humbucker tippen. Das sollte im Verstärker ein Knacken erzeugen wenn die richtige Lautstärke aufgedreht ist und der Schalter in der richtigen Stellung ist.

Wenn das alles funktioniert, kann man die Humbucker, die zwei Potis und die Buchse auch richtig festschrauben.

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Vierter Schritt: Bridge montieren

Die Metallbolzen für die Bridge kann man mit einem Gummihammer oder mit einem Hammer aus Metall und einem Stück Holz eintreiben. Ich habe sie einfach mit einem Stück Holz und meinem Körpergewicht eingepresst. Dazu habe ich die Gitarre flach auf einen Teppich gelegt und jeden Bolzen einzeln mit einem Stück Dachlatte, das ich gut mit beiden Händen anfassen konnte, in die vorgebohrten Löcher gepresst. Wichtig ist natürlich, dass man die richtigen Bolzen in die richtigen Löcher presst.

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Fünfter Schritt: Saiten aufziehen

Das muss ich wahrscheinlich nicht weiter erläutern. Ich habe nicht die im Bausatz gelieferten Saiten verwendet, sondern direkt ein Set Ernie Ball Power Slinky aufgezogen.

Sechster Schritt: Einstellen von Hals und Saitenlage

Wie das funktioniert habe ich selber erst vor kurzem bei YouTube gelernt. In diesem Video ist wirklich super erklärt, wie man dabei vorgeht: https://www.youtube.com/watch?v=j_BcLbF2lI4 (Ungeduldige können ruhig zu Minute 16 vorspulen.)

Außerdem musste ich die Kerben am Sattel noch etwas vertiefen. Dazu gibt es zwar spezielle Feilen, ich habe aber einfach mit einem scharfen Messer hinbekommen.

Fazit

Wer etwas handwerkliches Geschick hat, gerne bastelt und eine (neue) Gitarre haben möchte, für den ist so ein Bausatz echt eine tolle Sache. Ich war insgesamt etwa eine Woche damit beschäftigt, aber vor allem wegen der Behandlung vom Holz. Das Zusammenschrauben und Löten habe ich an einem Abend fertig bekommen.

Der Klang der Gitarre ist okay. Es ist ja logisch, dass man für nicht mal 100€ keine Gibson Les Paul Custom bekommt. Mit einem Paar höherwertiger Humbucker könnte man ganz sicher noch viel aus der Gitarre rausholen. Ich bezweifle aber, dass es sich wirklich lohnt mehr Geld dafür als für den Bausatz auszugeben.

Viel Spaß dabei!

Und hier noch die Galerie mit allen Fotos: